Gedanken und Vorbereitungen
Die Schweiz. Noch nie da gewesen. Wie gespannt waren wir auf Land und Leute, auf Schwyzerdütsch, Rösti, Schweizer Franken und die berühmte Pünktlichkeit der Schweizer Züge. Ein neues Kapitel auf unserem Weg nach Santiago de Compostela…
Es erwarteten uns grandiose Landschaften, historische Bauten, Kunst und Kultur, aber auch hunderte Höhenmeter, die bewältigt werden wollten und Preise, die nicht zu verachten waren.
In Erwartung des Ganzen erschien uns eine gründliche Vorbereitung äußerst wichtig.
Als erstes nahmen wir uns unserer Ausrüstung an. Ich wollte keine weiteren Bemerkungen zu diesem Thema riskieren.
In den ersten Tagen auf dem Münchner Jakobsweg wurden nämlich unsere Schuhe skeptisch beäugt und kommentiert. Wir trugen zu dem Zeitpunkt zwar bequeme Schuhe, in denen wir gut gehen konnten, es waren aber keine „gscheiden“ Wanderschuhe. Also nahmen wir uns die Ratschläge zu Herzen und legten nach. Wir geben im Nachhinein zu, es war goldrichtig, sich gute Wanderschuhe zu kaufen.
Da wir auf dem weiteren Verlauf des Münchner Jakobswegs bereits gute Wanderschuhe trugen und es in diesem Punkt nichts mehr zu bemängeln gab, legten die erfahrenen Herbergseltern ihr Augenmerk auf unsere großen und letztlich doch etwas zu schwer gepackten Rucksäcke. Zwar hört man sich die entsprechenden Kommentare nicht gerne an, aber die Leute hatten mit ihren Aussagen ja nicht gerade unrecht.
Diesmal, in der Schweiz, dürfte es nichts mehr zu bemängeln geben: Mit ordentlichen Wanderschuhen auf den Füssen, gut abgespeckten Rucksäcken auf den Schultern und der Tatsache, dass wir jetzt immerhin den Münchner Jakobsweg vorzuweisen hatten, dürften wir uns dieses Mal als würdige Jakobspilger erweisen. Und ich darf jetzt schon verraten: So war es auch. Keine skeptischen Blicke, keine Kommentare. Wir haben die Feuerprobe bestanden.
Das Nächste, was ich unbedingt vermeiden wollte, war, mir erneut eine Verletzung zuzuziehen. Also nutzte ich die Zeit zwischen den Jakobswegen, um mein Körpergewicht zu reduzieren. Es waren zwar nur wenige Kilos, aber es lohnte sich trotzdem. Außerdem machte ich fleißig Dehn- und Kraftübungen. Ich drehte an allen möglichen Stellschrauben, um gesund durchzukommen. Der Jakobsweg ist für mich zum besten Gesundheitsmotivator geworden.
Nicht nur die optimierte Ausrüstung und die Reduktion des Körpergewichts sollten uns den Weg erleichtern, sondern auch eine gute Etappenplanung. In der Schweiz wollten wir auf keinen Fall darauf losmarschieren und abends schauen wo wir bleiben, sondern durch sorgfältige Vorplanung der Strecken den Druck aus der Sache nehmen. Das würde uns jede Menge Stress ersparen und den Genuss erhöhen.
Auf Basis unserer Wandererfahrung auf dem Jakobsweg von Regensburg nach Bregenz am Bodensee machte ich mich daran machbare Tagesetappen zu planen, indem ich sowohl die Kilometer als auch die zu bewältigenden Höhenmeter wohlüberlegt berücksichtigte.
Als Rohmaterial für die Streckenplanung nahm ich die vom Rother-Verlag zur Verfügung stehenden GPX-Tracks. Die Wanderführer in Bücherform studiere ich vorab sehr akribisch. Sie sind nicht nur informativ und gut gestaltet, sondern bieten als Bonus die GPX-Dateien zum Download an. Obendrauf steigern sie als angenehme Nebenwirkung die Vorfreude auf den Wanderweg.
Um die GPX-Dateien entsprechend bearbeiten zu können, suchte ich im Internet nach kostenloser Software. Dabei stieß auf den Route Converter. Mit diesem Programm lassen sich die Tracks mühelos teilen und neu zusammenfügen, die Fortbewegungsrichtung umkehren und einiges mehr.
Parallel zur Etappenplanung suchte ich an den jeweiligen Tageszielen nach geeigneten Unterkünften. Da wir zwei keine große Reichweite haben und die vom Rother-Verlag vorgeschlagenen Strecken meistens halbiert werden mussten, waren die Tagesziele oft in kleineren Ortschaften angesiedelt. Dadurch gestaltete sich die Suche nach bezahlbaren oder überhaupt vorhandenen Schlafstätten recht nervenaufreibend. Trotzdem war es mir lieber, diesen Stress zu Hause zu haben als in der Schweiz vor Ort.
Alle Daten bezüglich der Strecken, der Unterkünfte, Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten hielt ich in einer ausgeklügelten Excel-Tabelle fest. So hatte ich alles an einem Platz. Das half mir, den vollen Überblick zu behalten, sowohl während der Planung, als auch auf dem Jakobsweg direkt. Die fertige Tabelle speicherte ich mir auf unterschiedliche Weise digital ab, druckte sie zusätzlich zur Sicherheit auch noch aus. Dieser Aufwand hat sich für uns auf jeden Fall gelohnt. Wir besprachen mit Hilfe der Excel-Tabelle jeden Abend den nächsten Tag, konnten ruhig schlafen und die nächste Tagesetappe um einiges entspannter in Angriff nehmen.
Zu guter Letzt installierte ich auf meinem Smartphone noch die Apps von den Schweizerischen Bundesbahnen SBB und von FlixBus. Das ermöglichte uns bequemes Buchen und Verwalten der Tickets.
Um einen möglichst günstigen Handytarif für die Schweiz sollte sich mein Mann kümmern. Ich vertraute ihm diese Aufgabe an, da er auf diesem Gebiet einige Erfahrung vorzuweisen hat. Trotz mehrfacher Erinnerung, er möge sich bitte darum kümmern, passierte nichts. Die Konsequenz des Nichtstuns bekamen wir auf beindruckend schnelle Weise in der Schweiz zu spüren. Mehr dazu erzähle ich aber ein anderes Mal.
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