Anreise | Via Jacobi | Vohburg – Bregenz
Der Tag des Aufbruchs zur Via Jacobi – wie der Jakobsweg in der Schweiz genannt wird – war gekommen.
Diesmal brachte mein Mann Alfred uns mit dem Auto direkt nach Bregenz, wo wir ein Jahr zuvor den Münchner Jakobsweg beendet hatten. Gegen acht Uhr morgens fuhren wir von Zuhause los und erreichten nach rund drei Stunden Autofahrt unser Ziel.
Für diesen Tag hatten wir einen Ausflug mit dem Schiff nach Lindau geplant. Es war Alfreds Wunsch, die Lindauer Altstadt auf der Insel mit uns gemeinsam zu besuchen. Also nahmen wir um 11:30 das Schiff und setzten an das andere Ufer über.
Der Lindauer Hafen mit dem prächtigen Bayerischen Löwen begeisterte meinen Mann sehr. Er wollte ihn unbedingt aus nächster Nähe sehen. Also machten wir uns auf den Weg am Ufer entlang Richtung Römerschanze. Während sich Alfred immer näher an den Löwen heranpirschte, bestiegen wir zwei die Anhöhe der Römerschanze mit ihrem wunderschönen alten Baumbestand. Von dieser Stelle aus lässt sich der Hafen wunderbar überblicken. Ein herrlicher Ausblick.
Die Römerschanze war früher eine kleine Insel, die mit einer Brücke mit der Hauptinsel verbunden war. Im Mittelalter stand hier eine kleine St-Aurelia-Kapelle, die ein paar Jahrhunderte später in Jakobskirche umbenannt wurde. Allem Anschein nach beherbergte die Kirche die Jakobspilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Das war uns bis dato nicht bekannt. Diese Entdeckung war ein schöner Auftakt unserer diesjährigen Pilgerreise.
Nachdem wir drei wieder zusammengefunden hatten, steuerten wir die zwei benachbarten Kirchen an: das Münster Unserer Lieben Frau und die Kirche St. Stephan. Wie herrlich es doch war, diesmal ohne Schmerzen unterwegs zu sein! Nach der Besichtigung der beiden Kirchen schlenderten wir durch die schöne Lindauer Altstadt bis zum Alten Rathaus mit seiner beeindruckenden Fassade.
Langsam wurde es Zeit, nach Bregenz zurückzukehren. Als wir auf dem Weg zum Hafen am Juwelierladen vorbeigingen, in dem ich mir letztes Jahr meine „Belohnungsohringe“ kaufte, warf ich einen Blick auf die Auslage. Und da waren sie wieder: „meine“ Ohrringe, diesmal aber um 10 Euro teurer.
Bevor wir das Schiff bestiegen, wollten wir noch unbedingt einen Blick in die Bahnhofshalle werfen. Wir wollten sehen, wieweit die Renovierung fortgeschritten war. Und siehe da: Alles war fertig und nicht mehr so trostlos wie ein Jahr zuvor.
Nach dem Anlegen des Schiffes am Bregenzer Hafen trieben uns der Hunger und die Erinnerung an den Jakobsweg letztes Jahr zum italienischen Restaurant in der Nähe. Im Gegensatz zu den meisten Gästen bestanden wir darauf, uns ins Innere des Restaurants zu setzen. Damit ernteten wir einen schiefen Blick des Kellners. Wir hatten aber keine Lust draußen zu sitzen und den vorbeifahrenden Autos zu lauschen. Die Reizüberflutung erreichte vor allem bei mir langsam die Obergrenze.
Diesmal bestellte ich keine Pizza, sondern köstliche Pasta Ortolana. Meine beiden Begleiter ließen sich ihre Pizzen schmecken.
Gut gesättigt machten wir uns zu dritt auf den Weg zur Pension, in der wir ein Zimmer mit einem französischen Bett gebucht hatten. Wir wählten dieses Zimmer nicht nur aus Kostengründen, sondern weil wir bereits voriges Jahr darin schliefen. Wir wollten damit einen nahezu nahtlosen Übergang zwischen zwei Jakobsweg-Abschnitten schaffen.
Etwas nervös war ich vor dem Check-in schon, denn wir bekamen im Laufe des Tages eine Mail, in der uns die Pension mitteilte, dass uns ein anderes Zimmer zugewiesen wurde. Das wäre an sich nicht weiter schlimm, wenn die Buchungsgeschichte im Vorfeld glatt verlaufen wäre…
Circa zwei Monate zuvor machte ich mich an die Planung der Etappen und die Buchung der Unterkünfte. Mit der gewöhnungsbedürftigen Weise der Buchung auf der Website der Pension war ich bereits vertraut, schließlich hatte ich letztes Jahr ihre Bekanntschaft gemacht.
Soweit so gut. Ich stellte die gewünschte Buchungsanfrage, auf die ich nicht wie gewohnt eine automatische Eingangsbestätigung bekam. Das fand ich ziemlich merkwürdig. Ein paar Tage später meldete ich mich per Mail bei ihnen und fragte nach. Ich bekam die Antwort, dass mit ihrem Buchungssystem etwas nicht in Ordnung wäre und sie mir so schnell wie möglich eine Buchungsbestätigung per Mail senden würden. Die bekam ich dann prompt. Leider stellte sich gleich heraus, dass sie fehlerhaft war.
Es wurde zwar das richtige Zimmer aufgeführt, aber nur für eine Person reserviert. Die Kurtaxe und Frühstück wurden allerdings für zwei Personen berechnet. Ich machte sie auf diesen Fehler aufmerksam. Sie bestätigten mir darauf hin per Mail, dass die Buchung wie gewünscht für zwei Personen gilt. Nun ja, darauf wollte ich mich verlassen. Und jetzt die heutige Mail…
Wir konnten natürlich nicht sicher sein, ob die Pension diesen Fehler in ihrem System korrigiert hatte. Was, wenn nicht? Was, wenn dort immer noch eine Person drinsteht und das getauschte neue Zimmer ein Einzelzimmer ist? Ich hatte nur den Mailverkehr als Beweis.
Nun gut, dachten wir uns. Wir klären das gleich beim Check-in, wenn wir wie letztes Jahr von der netten Rezeptionistin in Empfang genommen werden. Dann kam die nächste Überraschung: Die Pension hatte in der Zwischenzeit auf Self-Check-in umgestellt! Niemand da vor Ort! Die Spannung stieg. Wir suchten das neu zugewiesene Zimmer auf, machten die Tür auf und: Puh, zwei Betten! Aber warte, nur ein Bett wurde bezogen. Das war der Beweis, dass sie die Anzahl der Gäste nicht von einer Person auf zwei Personen in ihrem Buchungssystem korrigiert hatten.
Mein Mann griff zum Telefon und fragte nach Bettzeug für das zweite Bett. Kurz darauf kam eine nette Angestellte, die sich vor uns rechtfertigte, es wäre ihr gesagt worden, sie solle nur ein Bett beziehen. Sie konnte ja für das Buchungschaos nichts.
Das Wichtigste war, wir waren drin und hatten zwei Betten. Weiteres würden wir morgen beim Check-out klären, wenn nötig.
Langsam wurde es Zeit, sich vom Alfred zu verabschieden, er hatte schließlich noch eine Strecke nach Hause zu fahren. Bevor wir zum Auto gingen, wo wir unsere Rucksäcke und Wanderstöcke gelassen hatten, machten wir noch einen kurzen Abstecher zur Bregenzer Seebühne. Ich gestehe, das Bühnenbild – obwohl es zwischen den Vorstellungen den Dornröschenschlaf schlief – beindruckte mich sehr. Es muss herrlich sein, es in voller Pracht zu sehen.
Auch die Fotos aus vergangenen Jahren, die in der Nähe der Bühne hingen, hinterließen einen tiefen Eindruck bei mir. Wir sollten uns einen Ruck geben, mal bei einer Aufführung dabei zu sein. Nach einer Umarmung und Winken zum Abschied marschierten wir in voller Ausrüstung zurück zur Pension. Herrlich leichte Rucksäcke machten die Vorfreude auf den Jakobsweg perfekt.
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